Eine Tour d'amour mit einer römischen Kaiserin

"Ich habe durch Zufall Ihre Seite entdeckt und das Profil von einem der weiblichen Mitglieder, das Sie mir zugesendet haben, hat sich zum Großteil mit meinem Wunschpartner-Profil gedeckt. Doch wie plant man den ersten Schritt in der Kontaktaufnahme, wenn man(n) keinen Fehler machen möchte? Als Bank-Angestellter weiß ich zwar, wie ich mit Kunden umzugehen habe, doch in Sachen Partnersuche bin ich manchmal
etwas unsicher. Und dann die große Frage: Zwar finde ich ihr Profil und ihr Foto sympathisch, aber gefalle ich ihr auch?

Nach zwei Tagen rief ich Ihre Kundenbetreuerin an und bat sie, mein Profil plus Foto als Partnervorschlag zuzusenden. Einen Tag später dann der Rückruf: Ja, das Mitglied, das mit Vornamen Aurelia heißt, findet mich auch ansprechend, würde mich gern kennen lernen und freut sich auf meinen Anruf. Erst einmal war ich total glücklich über meinen ersten Etappensieg.

Aber so eine 'Tour d'amour' besteht ja meist nicht nur aus einer, sondern aus mehreren Etappen. Die nächste war eine genaue Planung des Anrufs, oder besser gesagt: des Telefongesprächs mit ihr. Ich hatte mir dazu einen kleinen Stichpunktzettel neben den Hörer gelegt, der mir ein wenig Sicherheit geben sollte. Das mache ich immer bei wichtigen Telefongesprächen. Und das ist - weiß Gott - ein sehr wichtiges.

Tja, und dann hatte ich Aurelia - klingt ein wenig nach der Frau eines römischen Imperators, oder?! - am anderen Ende der Leitung: hüstelnd, verschnupft und Halsbonbons lutschend. Sie hatte sich drei Tage vorher eine schwere Erkältung zugezogen und entschuldigte sich auch noch dafür. Also, für eine Erkältung braucht man sich nicht zu entschuldigen, entgegnete ich und schmunzelte innerlich, denn ich merkte, dass meine Anspannung allmählich nachließ. Wir kamen überein, dass wir im Laufe der nächsten Woche nochmal miteinander telefonieren.

Genau sieben Tage später rief Aurelia mich zurück - jetzt fast genesen - und wir unterhielten uns über eine Stunde lang über Gott und die Welt (und das ohne meinen Stichpunktzettel!). Doch die schwerste Etappe, die Bergetappe, stand mir ja noch bevor: in unserem Fall das erste Treffen. Wir verabredeten uns in einem Restaurant. Mit Anzug, Krawatte und einer roten Rose - sehr altmodisch, aber ich find's gut - wartete ich am Tisch, den ich reserviert hatte. Pünktlich zur verabredeten Zeit stand sie dann da. Wir unterhielten uns den ganzen Abend recht gut. Wochen vergingen, wieder wechselten Mails und Anrufe, bis wir uns das zweite Mal trafen. Tja, und da ist es wohl passiert! Wir hatten Schmetterlinge im Bauch." (Michael S., 38, Hagen)


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